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Herr Giesen, Solaranlage ist nicht gleich Solaranlage. Was gibt es für Unterschiede?
Es gibt thermische Solaranlagen, die so genannte Solarthermie für die Wärmeerzeugung, also für Heizung und warmes Wasser. Dabei wird die von der Sonne erzeugte Energie in einem Puffer für die Heizung oder für die Warmwasserbereitung im Haus gespeichert. Dann gibt es Solarzellen zur Stromerzeugung, die Photovoltaik. Sie wandeln Sonnenenergie in elektrische Energie um. Die wird ins öffentliche Netz eingespeist und nach bestimmten Sätzen vergütet. (Anm.: Der Strom kann natürlich auch selbst verwendet werden. Es ist auf Grund der Gesetzeslage jedoch wirtschaftlicher, den Strom erst komplett ins Stromnetz einzuspeisen.)
Lohnt sich eine Solaranlage auf diesem Kölner Haus?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Hängt vom Objekt ab. Für eine Photovoltaik-Anlage braucht man mindestens 20 bis 30 Quadratmeter Fläche auf dem Dach. Je nachdem kann man damit eine hohe Rendite von circa sechs Prozent erzielen. Die Thermie hat einen anderen Hintergrund. Wenn man sie zum Beispiel für die Warmwasserbereitung nutzen will, wird der Warmwasserspeicher je nach Personenzahl entsprechend ausgelegt. Für zwei Personen, die nur einmal pro Tag duschen, lohnt sich das Ganze nicht.
Scheint in unseren Breitengraden nicht viel zu wenig die Sonne?
Sonne ist genug da. Sie kann allerdings nicht bei jedem Objekt optimal genutzt werden. Wichtig ist die Lage und Ausrichtung des Hauses, also die Himmelsrichtung, die Neigung des Daches bzw. der Aufstellungsneigungswinkel der Anlage, keine Verschattungen usw.
Die Solarthermie ist abhängig von den Heizflächen. Für alte Stahlradiatoren mit hohen Vorlauftemperaturen reicht die erzeugte Energie oft nicht aus. Für eine Fußbodenheizung ist sie schon eher zu empfehlen. Die funktioniert mit deutlich niedrigeren Temperaturen.
Wie viel Kilowattstunden kann man mit einer Solaranlage erzielen? Wie viel braucht ein durchschnittlicher Haushalt?
Das hängt vom Standort und von der Fläche auf dem Dach ab. Bei einer Photovoltaik-Anlage braucht man für ein Kilowatt (kW) Strom circa zehn Quadratmeter Aufstellungsfläche. Nach einer Faustformel kann man pro kW Solarertragsleistung zwischen 700 bis 1200 Kilowattstunden (kWh) Solarstrom erzeugen. Bei zehn kW Leistung auf 100 Quadratmetern Dachfläche ergibt das 7000 bis 12000 Kilowattstunden. Ein Haushalt verbraucht im Schnitt 4000 kWh pro Jahr.
Mit einer Solarthermie kann im Idealfall 60 Prozent der benötigten Energie für warmes Wasser abgedeckt werden. Bei der Heizungsunterstützung können 30 Prozent der Kosten eingespart werden.
Was kostet eine Solaranlage inklusive Installation?
Bei einem Ein- bis Dreifamilienhaus belaufen sich die Kosten einer Solaranlage für die Warmwasserbereitung auf circa 6000 Euro. Für die Installation einer Solaranlage für die Heizungsunterstützung bezahlt man etwa 13.000 Euro. Es wird im Falle der Montage empfohlen, auch den alten Niedertemperaturkessel gegen ein modernes Brennwertgerät zu tauschen, da es höhere Wirkungsgerade erreicht. Grund für die Erhöhung des Wirkungsgerades ist die zusätzliche Energie-Entnahme aus dem Abgas. Desweiteren spielt auch die Modulation der Heizleistung eine Rolle.
Die Investitionskosten für eine Photovoltaikanlage sind abhängig von der Größe bzw. von der berechneten Leistung der Anlage. Kalkuliert wird mit maximal zehn kW Leistung. Dafür liegen die Kosten bei circa 5000 bis 6000 Euro pro Kilowatt-Peak (kWp), also circa 60.000 Euro insgesamt. Mit dem kWp wird der Wert bezeichnet, den ein Solarmodul erbringen kann. Bei einem Ein- bis Zweifamilienhaus je nach Platzbedarf circa vier bis sechs kWP. Pro Kilowatt-Peak braucht man etwa sieben bis zehn Quadratmeter Dachfläche.
Die Anlagen sind preiswerter geworden. Liegt das an der Technik?
Nein. Die Nachfrage ist gestiegen. Es werden mehr Anlagen produziert, die Konkurrenz unter den Anbietern ist größer. Deshalb werden die Anlagen billiger. Dass die Nachfrage steigt, hat auch mit der Unterstützung durch den Gesetzgeber zu tun: der Energiepass macht regenerative Energien für Hausbesitzer interessant. Und es gibt spezielle Förderungen.
Welche zum Beispiel?
Der Staat fördert Solaranlagen (Anm.: in Deutschland durch das Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG)) zum Beispiel durch Vergütungen für Solarstrom. Man kann einen Vertrag machen mit dem öffentlichen Energieversorger und den privat erzeugten Strom ins Netz einspeisen. Laut Gesetz muss der Energieversorger den Solarstrom 20 Jahre lang abnehmen und bezahlen.
Wie und wo werden Solaranlagen installiert?
Auf Flachdächern besteht die Möglichkeit, eine Solaranlage liegend oder mit einem Ständerwerk und Neigung zu montieren. Auf herkömmliche Schrägdächer kann man als Aufdachmontage (über die Dachpfannen) oder als Indachmontage (integriert in die Dachpfannen) installieren. Außerdem ist die Montage an einer Fassade bzw. Hauswand realisierbar. Flachkollektoren müssen immer in einem bestimmten Winkel zur Sonne stehen. Die sind hauptsächlich für Giebeldächer geeignet. Röhrenkollektoren sind effektiver, aber auch anfälliger. Sie können an der Wand aufgehängt oder flach gelegt werden.
Vor einigen Jahren war vom „Solar-Schwindel“ der Anbieterfirmen zu hören: 60 bis 70 Prozent Ersparnis beim Heizen und bei der Warmwasserversorgung wurde als Werbeschwindel kritisiert. Effektiv seien es nur 5 bis 8 Prozent Energieersparnis (ca. 50 bis 80 Euro pro Jahr).
Klar, 60 Prozent kann man nicht erreichen, wenn das Objekt neben zwei Hochhäusern im Schatten steht. Das Dach muss Richtung Süden ausgerichtet und die Anlage richtig eingestellt sein. Dann ist die Frage: Wie viele Sonnenstunden habe ich? Wie lange dauert der Winter? Die Energieerzeugung und damit auch die Ersparnis ist von all diesen Faktoren abhängig.
Auch im Internet werden Solaranlagen angeboten? Was ist davon zu halten?
Also, ich würde immer vom Fachhändler beziehen. Dort bekommt man Garantie auf die Geräte, Ersatzteile.
Worauf muss man generell beim Kauf und der Installation einer Solaranlage achten?
Dass sie vernünftig ausgelegt wird. Eine große Solarfläche auf dem Dach, aber nicht genügend Pufferspeicher für die erzeugte Wärme bringt gar nichts. So was kommt vor, wenn die Leute im Internet oder im Baumarkt kaufen. Eine Solaranlage muss vernünftig angelegt und geplant sein: Geht es von der Fläche her? Welche Werte sollen wie erzielt werden? Lohnt sich das Ganze überhaupt für mich?
Gibt es weitere Förderungen oder Zuschüsse?
Es gibt eine Förderung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Zur Zeit sind das einmalig 60 Euro pro Quadratmeter für die Solarthermie; mindestens aber 410 Euro. Für eine Heizungsanlage gibt es 105 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche. Allerdings soll diese Förderung gekürzt werden. Außerdem vergibt die KfW Bankengruppe günstige Kredite.
Weitere nützliche Infomationen zum Thema finden Sie auf der Website des Bundesverbands Solarwirtschaft unter www.solarfoerderung.de. Dort unter anderem auch alle bundesweiten Förderprogramme (siehe Interaktiver Förderberater).
Für Hausbesitzer, die wissen möchten, ob Ihr Haus „solar-tauglich“ ist, bietet die Energie.Agentur NRW den „Solar-Check“ an. Infos unter http://www.ea-nrw.de/_infopool/page.asp?InfoID=2343
Vom 1. bis 9. Mai findet die „Woche der Sonne“ mit Aktionen und Solarfesten in ganz Deutschland, z.B. Tage der offenen Tür bei Solaranlagenbetreibern, Vortragsveranstaltungen und Beratertage bei Handwerksbetrieben, Ausstellungen in Rathäusern oder Banken und Projekte an Schulen und Universitäten. www.woche-der-sonne.de
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